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Tag 3: Safari, scharfes Essen und Höhenluft

Wirwarendort

Von wilden Toilettenabenteuern über Elefantenglück bis zum Country-Abend in den Bergen

Fünf Uhr morgens – der Körper hatte Fragen.

Der dritte Reisetag begann um fünf Uhr morgens. Pünktlich. Das Hotel weckte uns sogar noch einmal zusätzlich, falls wir den Wecker überhört haben sollten. Wie nett.

Für Kerstin war die frühe Stunde offenbar kein großes Problem. Sylvia dagegen hatte noch eine dringende Angelegenheit mit dem Abendessen vom Vortag zu klären. Das Essen war köstlich gewesen – allerdings auch ordentlich scharf. Und der Körper hatte beschlossen, diese kulinarische Erfahrung nicht einfach kommentarlos abzulegen.

Lass den Tiger aus dem Tank

Sylvia saß also zunächst fest. Nicht im übertragenen Sinne, sondern ziemlich konkret auf der Toilette. Während draußen die Safari auf uns wartete, stellte sich drinnen eine ganz andere Frage: Ist ein Tiger wirklich gefährlicher als das, was gerade im eigenen Bauch passiert?

KI-generiert

Irgendwann fiel die Entscheidung: Wir fahren mit. Schließlich kann man nicht nach Indien reisen und dann die Safari wegen einer scharfen Mahlzeit absagen. Auch wenn der Gedanke, mitten im Tigergebiet dringend aus einem Jeep steigen zu müssen, durchaus geeignet war, die Abenteuerlust etwas zu dämpfen. Reisen bildet. Manchmal vor allem die Verdauung.

Im Dunkeln zum Sammelpunkt

Noch im Dunkeln wurden wir zum Treffpunkt gebracht. Dort warteten wir erst einmal auf weitere Mitreisende. Eine Weile. Denn auch auf einer Safari gilt offenbar: Die Tiere sind wild, der Zeitplan ist es manchmal ebenfalls.

Schließlich saßen wir mit einer netten Gruppe in einem größeren Jeep. Wir kamen ins Gespräch, unter anderem mit einer Inderin, die seit zwei Jahren in Frankfurt lebt und zum Heiraten nach Indien gekommen war. So begegnet man auf Reisen Menschen mit Geschichten, die mindestens genauso spannend sind wie die Tiere, nach denen man eigentlich Ausschau hält.

Dann ging es endlich los. Vier Stunden Safari lagen vor uns. Vier Stunden voller Hoffnung, gespannter Blicke ins Gebüsch und der stillen Frage, ob sich hinter dem nächsten Baum vielleicht doch ein Tiger versteckt.

Die große Wildtiersuche

Zu Beginn zeigte sich die Tierwelt eher zurückhaltend. Ein Wildschwein kreuzte unseren Weg, dazu verschiedene Vögel, Affen, eine Eule und ein Adler. Außerdem entdeckten wir Leopardenspuren. Immerhin: Ein Leopard war also irgendwann irgendwo gewesen. Das ist zwar nicht dasselbe wie ein Leopard direkt vor der Kamera, aber in der Safari-Welt zählt auch die Andeutung.

Später kamen noch Rotwild – also Rehe beziehungsweise Hirsche – und natürlich Rinder dazu. Kühe sind in Indien ohnehin verlässliche Begleiterinnen.
Trotzdem verging die Zeit mit netten Gesprächen und vielen Blicken in den Wald. Sylvia hatte es geschafft, die Safari durchzuhalten – was nach dem Vorabend durchaus als persönliche Heldinnentat verbucht werden durfte.
Nach ungefähr vier Stunden kehrten wir zur Lodge zurück. Die Tiger hatten sich uns nicht gezeigt. Dafür hatten wir eine Menge frische Luft und eine Geschichte mehr im Gepäck.

Frühstück, Fahrer, weiter Richtung Berge

Zurück in der Lodge wartete das Frühstück auf uns. Danach wurden wir pünktlich von unserem Fahrer abgeholt. Es ging weiter Richtung Ooty – und damit deutlich nach oben. Das hatten wir unterwegs gelernt: Ooty liegt ziemlich hoch in den Bergen. Wie viele Höhenmeter es genau sind, müssen wir noch nachschauen. Fest stand jedenfalls: Wir bewegten uns weg von tropischer Wärme und hinein in eine ganz andere Klimazone.

Die Strecke führte durch ein Wildnisgebiet, in dem Tiger und Elefanten durchaus die Straße kreuzen können.
Tatsächlich: Wir sahen Elefanten auf der Straße! Das war natürlich ein echtes Highlight. Nach der eher zurückhaltenden Jeep-Safari am Morgen freuten wir uns „tierisch“ über das tolle Erlebnis.

Ein Umweg mit Überlänge

Leider war der direkte Weg nach Ooty gesperrt. Und wenn in Indien eine Straße gesperrt ist, bedeutet das nicht unbedingt, dass man zehn Minuten später wieder auf Kurs ist. Für uns hieß es: Umweg. Zwei Stunden. Vielleicht zweieinhalb.
So wurde aus einer ohnehin langen Fahrt eine ziemlich ausgedehnte Tagesetappe. Wir kamen erst gegen Abend im Willow Hotel an – weit oben in den Bergen.

Dort wartete die nächste Überraschung: Kälte. Das Thermometer zeigte nachts ungefähr zwölf Grad. Indien hatte offenbar beschlossen, uns daran zu erinnern, dass ein Land nicht automatisch überall heiß ist, nur weil man es mit Sommerkleidung im Koffer bereist.
Wir holten alles hervor, was irgendwie warm machte. Die dicken Sachen wurden angezogen, heiß geduscht und die Heizung eingeschaltet.

Country-Musik in Indien. Wirklich jetzt?

Beim Abendessen waren wir wieder einmal die einzigsten Gäste. Das Essen war lecker, und langsam kehrte die Wärme in unsere Glieder zurück.
Dann erklang Country-Musik. Country-Musik. In Indien.
Kerstin fand, dass man, wenn man schon in Indien ist, doch auch indische Musik hören könnte und schwupdiwupp ertönten wunderbare indische Klänge aus der Musikbox.

Danach war der Tag endgültig vorbei. Wir waren müde, ein bisschen durchgefroren und um einige Erfahrungen reicher: Scharfes Essen sollte man nie unterschätzen, Tiger halten sich nicht an Besichtigungszeiten, Elefanten können einem unverhofft auf der Straße begegnen – und in Indien kann es nachts tatsächlich so kalt werden, dass man freiwillig die Heizung einschaltet.

Kerstin & Sylvia

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