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Tag 5: Elefant am Straßenrand und Kräuter mit Verkaufsargument

Wirwarendort

Von Coimbatore hinauf nach Munnar – mit Teeplantagen, Ayurveda und einem Koch mit Fingerspitzengefühl

Auf in die Berge

Tag 5 begann in Coimbatore, wo wir eine Zwischenübernachtung eingelegt hatten. Das eigentliche Ziel hieß Munnar – und dorthin sollte uns eine ungefähr fünfstündige Fahrt führen. Fünf Stunden klingt erst einmal überschaubar. In Indien weiß man inzwischen allerdings: Zeitangaben sind eher freundliche Empfehlungen als verbindliche Verträge.

Die Strecke führte uns immer höher in die Berge. Vor den Fenstern wechselten sich Kaffeeplantagen, Teeplantagen und Gemüsefelder ab. Dazu kamen kurvenreiche Straßen und Ausblicke, bei denen man am liebsten alle paar Minuten „Schau mal!“ gerufen hätte. Was wir vermutlich auch getan haben.

Die Landschaft war wunderschön. Und wie so oft führte unser Weg durch ein Gebiet, in dem Geparden, Tiger und Elefanten unterwegs sein können. Man fährt also nicht einfach durch die Berge – man fährt gewissermaßen durch ein großes, tierisches Wohngebiet. Mit dem Auto ist man dort nur Gast.

Ein Elefant macht keine Termine

Und dann stand tatsächlich wieder ein Elefant am Straßenrand.

Das Auto vor uns hielt direkt davor an, offenbar um möglichst gute Fotos zu machen. Unser Fahrer hielt dagegen respektvoll Abstand. Eine vernünftige Entscheidung, wie wir fanden. Denn so beeindruckend Elefanten auch sind: Man muss nicht unbedingt ausprobieren, wie nah ein tonnenschweres Wildtier einen an sich heranlassen möchte.

Wir beobachteten das Ganze aus sicherer Entfernung. Wieder einmal zeigte sich: In Indien kann man eine Sehenswürdigkeit planen – aber die besten Begegnungen stehen manchmal einfach am Straßenrand. Ohne Eintrittskarte, ohne Öffnungszeiten und ohne Rücksicht auf den Zeitplan.

Ayurveda: erst lernen, dann kaufen

In Munnar angekommen, besuchten wir eine Kräuterplantage. Dort bekamen wir eine Führung über ayurvedische Kräuter und ihre Verwendung. Das war wirklich interessant und informativ. Wir erfuhren mehr über Pflanzen wie Brahmi, Ashwagandha und Shatavari – Namen, die schon so klingen, als hätten sie sehr viel Wissen und noch mehr Silben im Gepäck.

Die Führung war lehrreich. Und danach wurde sie ausgesprochen praktisch.

Denn selbstverständlich gab es auch Produkte zu kaufen. Brahmi, Ashwagandha, Shatavari und sogar ein Haaröl wurden uns ans Herz gelegt. Man möchte ja schließlich nicht nur mit Wissen nach Hause fahren, sondern auch mit ein paar Fläschchen, die einem möglicherweise zu einem besseren Leben verhelfen.

Wir probierten einiges und entschieden uns schließlich auch für ein paar Produkte. Ob es die überzeugenden Erklärungen waren, die Neugier oder einfach die Tatsache, dass wir nach der langen Fahrt ein bisschen anfällig für gute Argumente waren, lassen wir offen.

Fest steht: Ayurveda ist eine Wissenschaft – und ein gut organisierter Verkaufsraum kann direkt dahinterliegen.

Willkommen im Dschungelhotel

Anschließend ging es weiter zu unserem Hotel, dem Tall Tree. Schon der Name klang vielversprechend, und vor Ort wurden wir nicht enttäuscht. Das Hotel liegt hoch oben am Berg, umgeben von sehr hohen Bäumen. Man fühlt sich fast wie mitten im Dschungel – nur mit einem bequemen Bett und hoffentlich funktionierender Dusche.

Unser Zimmer war traumhaft, der Service noch besser. Nach der langen Fahrt und dem Kräuterprogramm fühlten wir uns bestens aufgehoben. Hier konnte man wunderbar ankommen, durchatmen und die Umgebung genießen.

Manchmal braucht es gar nicht viel: ein schönes Zimmer, freundliche Menschen und das Gefühl, dass man für eine Weile nichts organisieren muss. Wobei wir auf dieser Reise gelernt haben, dass dieses Gefühl durchaus kostbar ist.

Scharf ist relativ – und der Koch ein Held

Zum Abendessen gab es wieder einmal ausgesprochen würziges Essen. Oder, um es diplomatisch zu formulieren: Die Schärfe war präsent. Sehr präsent.

Diesmal hatten wir allerdings Glück mit unserem Koch. Er war ausgesprochen freundlich und nahm unsere Rückmeldung ernst. Also wurde das Essen kurzerhand „entschärft“. Ein Service, der uns sehr entgegenkam – schließlich wollten wir den Abend genießen und nicht mit tränenden Augen nach dem nächsten Glas Wasser suchen.

Der Koch hatte verstanden, worum es ging: Geschmack ja, Feueralarm im Mund nein.

So endete unser fünfter Tag mit einem wunderbaren Hotel, einem herrlichen Bergpanorama, einem Elefanten am Straßenrand und einer kleinen Sammlung ayurvedischer Produkte. Wir waren wieder einmal um viele Eindrücke reicher – und möglicherweise auch um ein paar Fläschchen schwerer.

Munnar hatte uns freundlich empfangen. Und diesmal durfte der Abend sogar ohne kulinarischen Notfall ausklingen.

Kerstin & Sylvia

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